Begriffsabgrenzung: Gerüstkonzept vs. Gerüstplanung
Gerüstkonzept und systemkonformer Gerüststellplan: Auf Basis einer Bestandsaufnahme (z. B. Photogrammetrie) erstellen wir Gerüstkonzepte und Stellpläne innerhalb der Aufbau‑ und Verwendungsanleitungen der verwendeten Gerüstsysteme. Diese Unterlagen definieren Geometrie, Feldbreiten, Abstände, Konsolausbildungen und Montagefolgen, sind für Gerüstbauunternehmen, Meister und Bauleiter nachvollziehbar und bilden eine verbindliche Grundlage für den Ausführenden vor Ort. Fachplanung durch sachkundigen Planer / Ingenieur: Bei Sonderkonstruktionen, Abweichungen von der Regelausführung oder gerüsttechnisch anspruchsvollen Instandsetzungsmaßnahmen ist eine weitergehende Fachplanung mit objektbezogener Statik und ganzheitlicher Betrachtung erforderlich. Diese wird durch entsprechend qualifizierte Fachplaner erbracht und ergänzt oder ersetzt das Gerüstkonzept, um standsicherheitsrelevante Nachweise und projektspezifische Detailbemessungen einzubringen.
Die wesentlichen Schritte der Gerüstkonzepterstellung
Im Folgenden zeigen wir Ihnen auf welche Schritte ein Projekt bei uns durchläuft. Vom Beginn bis zur Übergabe an Sie.
1. Anforderungs-analyse
Beschreibung der geplanten Arbeiten (Gerüstnutzung: Arbeits-, Schutz-, Verkehrsgerüst), Zugänge, Lastklassen, Sicherheitsanforderungen. Berücksichtigung von Gewerketakten und Bauablauf (Gerüststrategie, Umbauten, Standzeiten).
2. Auswahl des Gerüstsystems und Grundkonzept
Festlegung von Gerüstart (Standgerüst, Hängegerüst, Raumgerüst, Wetterschutzdach, Turmgerüst) und System (Rahmen-, Modulgerüst). Einordnung, ob Standardkonfigurationen aus vorhandenen Aufbau- und Verwendungsanleitungen ausreichen oder Sonderlösungen mit projektbezogener Planung nötig sind.
2.1 optionale Bestandserfassung mit unseren Messgeräten.
Auf Ihre Beauftragung hin können wir das betreffende Objekt Photogrammetrisch erfassen und erstellen somit ein belastbares Abbild der Realität (Reality Capture, oder "digitaler Zwilling"). Auf Basis dieser Daten können wir das Gerüst maßgeschneidert und ohne unvorhergesehene Problematiken im Bezug auf das Bauwerk für Sie auslegen.
3. Geometrische Auslegung auf Basis der Maße
Definition von Achsraster, Gerüstbreiten, Geschosshöhen, Konsolen, Auskragungen und Anpassungen an komplexe Bauteile (Erker, Vordächer, Vorsprünge) anhand der erhobenen Geometrie. Einbindung von Zugängen (Treppentürme, Leitern), Materialtransportwegen und Schutzmaßnahmen (Fanggerüste, Netze, Planen).
4. Statische und sicherheitstechnische Bewertung
Erwähnen, dass für viele Sonderkonstruktionen eine objektbezogene statische Berechnung erforderlich ist, inklusive Windlasten, Nutzlasten, Verankerungskonzept und Untergrundbeurteilung. Wir prüfen ob die AuV ausreicht. Falls nicht, vermitteln wir gern an einen erfahrenen Gerüststatiker.
5. Erstellung der Planungsunterlagen (Zeichnungen und Modelle)
2D- und 3D-Planungsunterlagen (Grundrisse, Ansichten, Schnitte, 3D-Modelle) auf CAD-Basis, ggf. kombiniert mit BIM- oder digitalen Zwillingen zur besseren Koordination. Vorbereitung der Integration von Lastklassen, Verankerungsrastern und Sicherheitskomponenten in den Plänen, nachvollziehbar für Gerüstbauer, Bauleitung durch den Statiker oder Fachplaner.
6. Prüfung, Abstimmung und Freigabe
Interne Prüfung auf Vollständigkeit und Plausibilität, Abstimmung mit Bauherr, Bauleitung und Gerüstbauunternehmen. Anpassung bei geänderten Randbedingungen (Baustellenlogistik, Änderungen im Bauablauf, zusätzliche Schutzanforderungen) auf Anordnung. Dies kann zu Mehrkosten führen.
Inhalte der Planungsunterlagen und Übergabe
Typische Unterlagen sowie Übergabeformate und Schnittstellen
technische Zeichnungen:
Übersichtslageplan des Gerüstes, Ansichten je Fassadenseite, Schnitte, Detaildarstellungen von Sonderbereichen (z. B. Durchstiegslösungen, Brücken, Überbauungen).
Materiallsite:
Eine Zusammenfassung aller in diesem Konzept enthaltenen Bauteile. Auf Wunsch gliedern wir auch nach Bauabschnitte oder nach "1. Lieferung!"
digitale Daten:
alle erstellten CAD-Unterlagen, ggfls ein BIM Modell oder andere 3D Modelle zur Integration in die Gesamtplanung
Übergabeformate und Schnittstellen
Wir übergeben die Daten entweder als SKP, DWG, IFC oder PDF. Je nachdem welches Format und welche Weiterverarbeitung im Raum steht.
Welche Vorteile und Nachteile habe ich eigentlich wenn ich den Service einer Konzepterstellung nutze?
Grundsätzlich kann man sagen, dass sich eine Konzepterstellung rechnet, sobald die Gebäudestruktur komplexer wird. Dies kann sich auf viele Ecken, Dachvorsprünge, Erker, Gauben, Zwischengiebel, Turmkonstruktionen oder ähnlichens beziehen. Einfache Strukturen kann der Montageleiter am ehesten selbst vor Ort managen.
Thema Sicherheit:
Vorteile: Eine höhere Planungssicherheit, bessere Einhaltung von Vorgaben bauseits und auch der AuV. Nachteile: Zusätzlicher Aufwand der auch Geld kostet. Insbesondere bei kleinen Projekten eher unwirtschaftlich.
Thema Wirtschaftlichkeit:
Vorteile: Umbauten werden reduziert, da von Beginn an klar ist, wo und wie begonnen werden muss damit man oben auch passend an allen Knackpunkten vorbei kommt und dennoch alle Abstandsregeln eingehaöten werden. Der Montageleiter hat ab Minute 1 einen Plan in der Hand, Abstände zum Gebäude sind bekannt und es wird keine große Zeit wegen Orientierung am Bauwerk verloren. Die Amortisierung tritt noch schneler ein, wenn ein zusätzlicher LKW mit Materialanlieferung gespart wird weil entscheidene Bauteile fehlen. Gerade bei weiten Strecken zum Bauvorhaben. Nachteile: Die Konzepterstellung selbst sowie auch die Grundlagenerfassung kostet Geld. Wie bereits erwähnt, rechnet sich der Aufwand früher, je aufwändiger das Objekt ist. Es ist also auch möglich, dass sich diese Investition am Ende wirtschaftlich nicht rechnet.
Thema BIM und Koordination am Bau
Vorteile: Ein klarer Vorteil eine Vorplanung ist die bessere und transparentere Kommunikation am Bau. Was wird konkret gebaut, wann wird an welcher Stelle gebaut, wo sind Schnittpunkte? Viele Fragen die mit sauberen Unterlagen klar im Voraus abgestimmt werden können. Sollte es dennoch zu Abweichungen am Bauwerk kommen, z.B. wenn die Vorausarbeit zu lang zurück liegt, kann der Montageleiter oder zuständige Bauleiter die Veränderung schnell selsbt entdecken. Nachteile: Um im BIM System sinnvoll arbeiten zu können, muss natürlich auch die Sorftware dazu verfügbar sein. Einige Datenstandarts sind nicht mit allen beliebigen Tools nutzbar. Hier muss man ggfls. tatsächlich auf die gute alte Papiervariante zurückgreifen.
Thema Dokumentation und Nachvollziehbarkeit
Vorteile: Durch die Vorarbeit sind alle Abläufe klar ersichtlich, die Konstruktion ist für alle definiert und erkenntlich. Dies bietet eindeutige Vorgaben für die Montage und lässt wenig Raum für Interpretationen. Diskussionen werden vermieden und man kann sich voll auf die Montage konzentrieren. Nachteile: Treten am Bauwerk Änderungen zur Bestandsaufnahem ein, müss ggfls. Umgeplant oder örtlich angepasst werden. Dies kann erneut zu Kosten führen. Auch eine Nutzungsänderung kann die Vorarbeit gänzlich über den Haufen werfen.
Thema Flexibilität
Vorteile: Sind die Abläufe, oder notwenidigen Umbauten bereits zu Konzepterstellungsbeginn klar, können diese mit in die Vorbereitungen einbezogen werden. Felder werden von Beginn an so geplant, dass ein sinnvoller und kostenschonender Umbau stattfinden kann ohne den Bauablauf allzu sehr zustören. Dies spart wieder Zeit und Geld. Nachteile: Zu detaillierte Konzepte verleiren an Flexibilität und können sogar zu steif werden und somit teils unbrauchbar. Definieren Sie somit von Beginn an, welche Art von Ablauf im Raum steht um spätere unnötige Kosten zu vermeiden.
Aufmaß und Konzept kommen aus einer Hand
Manchmal ist es notwendig ein Gerüst erneut im Bestand zu erfassen. Teils weil es Unstimmigeiten mit dem Bauherren gibt, teils weil man im Voraus eine Ablaufdokumentation benötigt. Hier kommen wir als unabhängiger Dienstleister ins Spiel. Wir erstellen eine 1:1 Digitalisierung Ihres Bestandsgerüstes, gehen es mit dem Auftraggeber auf Ihren Wunsch hin vor Ort durch und lassen dieses gegenzeichnen und als Leistungsstand mit Stichtag definieren. Für eine Abnahme sind wir jedoch nicht zuständig und auch nicht die Prüfung ob die erbrachte Leistung dem beauftragten Volumen entspricht. Dies verbleibt in Verantwortung des Unternehmers.
Stellen Sie Ihre Anfrage zum Gerüstkonzept
Beschreiben Sie Ihr Bauvorhaben. Wir melden uns mit einem konkreten Angebot inklusive Aufmaß-Planung und Materialliste zurück.

Ein Gerüstkonzept ergänzt einen wirtschaftlichen Ablauf auf der Baustelle.
Hier die gängigsten Fragen: